Wettbewerbssieg: Abwicklung von kritischen Wissenschaftlern in Jena

Der Sieg im Wettbewerb „Stadt der Wissenschaft 2008“ und das 450 jährige Jubiläum der Universität gibt vielen Vertretern von Stadt und Uni Grund zum Jubel. Zurecht?
Die AMS (Assoziation Marxistischer Studierender) in Jena beteiligte sich an dieser Aufarbeitung mit einem Vortrag zur Abwicklung von DDR-Wissenschaftlern im Verlauf der „Wende“. Am 22. April sprach Prof. Weißbecker über seine Tätigkeiten an der Uni und seine persönlichen Eindrücke 1990 ff.

Weiße Weste

Neben der feierlichen Würdigung dürfen die dunklen Kapitel der Uni-Geschichte nicht unbeachtet bleiben.
Die Abwicklung verdienter und angesehener Wissenschaftler in den Jahren 1990f. zählt zu den unrühmlichen Höhepunkten der jüngeren Geschichte der Universität. Trotz qualitativ hochwertiger Forschung, die auch außerhalb der Grenzen der Warschauer Vertrag Staaten Würdigung erhielt, musste nach dem Beitritt der DDR zur BRD ein Großteil der Wissenschaftler ihre Lehre aufgeben oder wurde einer fragwürdigen Gesinnungsprüfung unterzogen. Die Freiheit der Wissenschaft fiel dem politisch-ideologischen Kalkül zum Opfer.

Die anfängliche Auffassung, doch irgendwie weiter arbeiten zu können, wurde spätestens dann zunichte gemacht, als ganze Institute dem Erdboden gleichgemacht worden. Die Enttäuschung über die letzten DDRRegierungen und die Ratlosigkeit angesichts des Untergangs der DDR prägten die Stimmung.
Neue Arbeitsverträge in den Gesellschaftswissenschaften kaum länger als ein halbes Jahr sorgten schon bald für neue Stellenausschreibungen, die praktisch die Belegschaft ersetzten. Der Versuch sich mit Hilfe von Gerichtsverfahren zu wehren, endete meist mit Niederlagen oder Vergleichen.

Manfred Weißbecker (Jahrgang 1935) studierte Geschichte, Germanistik und Pädagogik und arbeitete nach Abschluss seines Studiums als Mitarbeiter am Historischen Institut in Jena. Es folgte die Berufung zum Professor für Geschichte an der Friedrich Schiller Universität. Ein Forschungsschwerpunkt war die Aufarbeitung der Geschichte der NSDAP. Nach der Wende wurde Weißbecker 1992 im Rahmen der Abwicklung der DDR-Forschungslandschaft in die Arbeitslosigkeit entlassen.

AMS/Marxistische Hochschulgruppe Jena





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