Studierendentreffen der AMS brachte Erfahrungsaustausch und interessante Diskussionen

Die Notwendigkeit für Marxistinnen und Marxisten, sich an den Hochschulen klar zu positionieren und aktiv in Diskussionen und Proteste einzubringen, wurde deutlich. Jetzt geht es um die weitere Vernetzung marxistischer Studierender.

Zehntausende Schülerinnen und Schüler, Azubis und Studierende haben beim bundesweiten Bildungsstreik für eine radikale Wende in der Bildungspolitik demonstriert. Das Signal an die Verantwortlichen in Bund und Ländern war deutlich: Es kann nicht angehen, dass Banken und Konzerne Milliardenhilfen vom Staat bekommen und gleichzeitig an der Bildung weiter gespart wird.
Im Zeichen der aktuellen Proteste fand am 20. Juni das Treffen der Assoziation Marxistischer Studierender (AMS) im Rahmen des UZ-Pressefests in Dortmund statt. Eingeladen hatten Aktive aus Thüringen und Brandenburg.
Ein Student stellte anhand eigener Erfahrungen plastisch den neoliberalen Umbau der Hochschulen dar: Verschulung und Überregulierung, das Beschneiden der studentischen Mitbestimmung, weitere Einflussnahme von Wirtschaftsinteressen auf Forschung und Lehre sowie Mangel an Lehrkräften und Räumen bestimmen das Gesicht der meisten Unis und FHs. Der sog. Bologna-Prozess hat schon heute den Hochschul-Alltag nachdrücklich verändert. Darunter haben Studierende und Lehrkräfte gleichermaßen zu leiden. Besonder hart trifft es dabei die wissenschaftlichen Mitarbeiter, die oft für Hungerlöhne Höchstleistungen vollbringen.
Ein Mitglied der AMS-Hochschulgruppe Jena zeigte die Möglichkeiten des Widerstands gegen diese Verhältnisse auf. Durch regelmäßige und interessant gestaltete marxistische Bildungsveranstaltungen sei es möglich, zur weiteren Politisierung der Studierenden beizutragen und Anpassungsdruck sowie Desinteresse der Studierenden entgegen zu wirken. So könne man Diskussionen anregen und dem immer wieder aufflammenden Protest zu mehr Beständigkeit verhelfen. Darüber hinaus sei es möglich, mittels kontinuierlicher Arbeit auch mit bescheidenen Kräften eine beachtliche Wirkung zu erzielen und sich aktiv in die laufenden Auseinandersetzungen einzubringen. Die Orientierung müsse dabei vor allem auf die studentische Interessenvertretung und auf die Gewerkschaften gerichtet werden.
Dr. Werner Fitzner aus Frankfurt/Oder betonte die Wichtigkeit einer klugen Bündnispolitik. Aufgabe der Marxisten sei es, zur Sammlung aller progressiven Kräfte beizutragen, welche die weitere Politik des Bildungsabbaus und Kaputtsparens stoppen wollen.
In der anschließenden Diskussion wurden Erfahrungen ausgetauscht und Kontakte geknüpft. Dabei zeigte sich vor allem, dass trotz teils unterschiedlicher lokaler Besonderheiten die Probleme im Wesentlichen überall ähnlich sind. Deutlich wurde auch, dass wir mehr als bisher an der Vernetzung marxistisch orientierter Studierender arbeiten müssen.
Die AMS versteht sich dabei als Angebot, bisher voneinander isoliert wirkende Aktive und Gruppen zusammen zu bringen. So sollen bereits gemachte Erfahrungen für alle Beteiligten nutzbar gemacht werden. Möglich wären bspw. Referentenlisten zu bestimmten Themen, gemeinsame Positionierungen zu anstehenden Problemen oder das koordinierte Auftreten bei Protestaktionen. Derzeit wird an einer Liste interessierter Gruppen und Einzelpersonen gearbeitet. Ein Mail-Verteiler besteht bereits. Es wurde zudem der Vorschlag gemacht, ein Forum im Internet einzurichten. So kann der Erfahrungsaustausch vertieft und gemeinsam diskutiert werden, wie bei der Vernetzung weiter vorzugehen ist.
Interessierte können sich direkt an die vorläufigen Koordinatoren der AMS wenden, die Mail-Adresse ist marxisten@gmx.de.
www.marxisten.de


2 Antworten auf “Studierendentreffen der AMS brachte Erfahrungsaustausch und interessante Diskussionen”


  1. 1 Neoprene 10. Juli 2009 um 10:42 Uhr

    Es wäre ja schön gewesen, wenn tatsächlich Zehntausende „für eine radikale Wende“ auf die Straßen gegangen wären. Aber war dem denn überhaupt so? Was wurde denn während der Kampage an grundlegender Kritik an Zweck und Aufgabe des Schul- und Bildungswesens laut? Es ist doch alles anderes als radikal, noch nicht einmal wirklich kritisch, wenn buchstäblich in erster Linie nur mehr Geld für dieses Bildungssystem gefordert wurde.

    Wenn man nicht deutlich sagt, daß dieses System der Selektion der Menschen von früh an bis zum Arbeitsmarkt in diejenigen, die schon sehr bald von Staats wegen gesagt und definitiv beschieden bekommen, daß aus ihnen garantiert nichts wird und die relativ wenigen, die sich um die paar besseren Jobs prügeln dürfen, die die Ausbeutung in diesem Land in den Betrieben und im Staatswesen organisieren und überwachen bzw. ideologisch betreuen, dann braucht man auch nicht über z.B. Bachelor und Master jammern.

    Wie überhaupt die Klage über die Selektion am Ende des Ausbildungswesens, also an den Unis regelmäßig die Vorselektion an den Schulen ausblendet. Und die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt, die selbst nach einem fiktiven idealen nichtselktiven Bildungssystem, was ja manche gerne hätten, weiterhin gilt.

    Von daher ist es auch nur so billige leere Empörung, wenn wie hier jetzt auch gejammert wird „Es kann nicht sein, daß Banken …, und an der Bildung weiter gespart wird“. Das können doch alle sehen, daß das nicht nur sein kann, sondern so sein soll und zwar aus „gutem“ Grund für die Herren dieser Welt: Das haben sie doch erkannt als Hebel, das ganze Schul- Uni- und sonstige Ausbildungswesen noch besser auf das hinzuschneidern worum es in dieser Gesellschaft ausschließlich geht: Deutschland braucht Arbeitskräfte, die möglichst wenig kosten, also auch möglichst wenig Bildung erfordern, damit man mit ihnen eine möglichst rentable Produktion hinkriegt. Und dazu passen all die Reformen der letzen Jahre doch genauso, wie die frühere „alte“ Schule und Uni denen früher den Herrschenden als optimal erschienen ist.

    Wenn man nicht den Charakter und Zweck von kapitalistischer Schule überhaupt kritisieren mag, z.B. am Notenwesen aufzeigen will, wie das Zwangsgesetz der Selektion auf die Berufs- und Arbeitsplatzhierarchie hin durchgeführt wird, dann braucht man auch nicht über „Verschulung“ jammern. Wenn einem nicht die Regulierung der Unis für den Zweck der bürgerlich/kapitalistischen Elitebildung ein Dorn im Duge ist, dann sollte man auch gar nicht erst von der „Überregulierung“ reden. Wenn man den Schülern und Studenten nicht zumuten will, daß der ganze Zweck des Schul- und Unibetriebs es ist, für Profitzwecke brauchbare Arbeitskräfte in den Relationen auszuspucken, die die Wirtschaft (und der Staat) im Schnitt so brauchen, dann kann man sich die Proteste gegen „weitere Einflußnahme von Wirtschaftsinteressen“ auch sparen.

    Deshalb ist die ja nun wirklich bei praktisch jedem Protestierenden zu findende Kritik am „Mangel an Lehrkräften und Räumen“ auch nichts, was man so einfach stehen lassen sollte, sondern die Nachfrage wert, was sich den dadurch ändern würde, wenn die Selektion in kleineren Gruppen abläuft? Wenn eh vorgegeben ist, daß nur X % eines Jahrgangs zum Abitur kommen sollen oder nach dem Bachelor zum Master-Studium zugelassen werden sollen, dann ist es doch völlig piepegal, wie groß der Hörsaal oder das Klassenzimmer ist, in dem die entscheidenden Klausuren stattfinden. Und wenn es nur 10 sind, die da zusammensitzen, wissen die dann doch auch, daß meinetwegen Zweidrittel von ihnen rauszufliegen haben.

    Nur zur Erinnerung: In Folge der 68er Bewegung haben in den 70ern manche fortschrittlichen Professoren beschlossen, nur noch gute Abschlüsse zu vergeben, um nicht die eigentlich ihnen aufgegebe Selektion durchführen zu müssen. Was war das Ergebnis? Jeder bessere Personalchef hat doch gewußt, an welchen Unis in seinem Sinne „wertlose“ Abschlüsse produziert wurden. Man kann doch der harten Realität der Selektion nicht mit Wegtauchen zu entkommen suchen.

    Kurz: Man sollte also Schüler, Studenten und vor allem alle Lohnabhängigen dazu bringen zu erkennen, daß dieses Bildungswesen zu *diesem* System gehört und deshalb dieses System der kapitalistischen Wirtschaftsweise (und ihr demokratischer Staat, der das immer wieder aufs Neue dementsprechend in allen Bereichen hinorganisiert) weggeräumt werden müssen, damit man sich dann, wenn man sich in der Gesellschaft „nur“ noch die vernünftige Frage stellen braucht, was die Leute so alles zum Leben brauchen, auch fragen wird, was sie an Wissen brauchen, um das vernünftig hinzukriegen. Daß das dann ein nun wirklich radikal anders aussehendes System der Wissensvermittlung erfordert, das liegt auf der Hand. In diesem unserem System gehört aber geradezu notwendigerweise dazu, daß es auf wirkliches Wissen, vor allem über gesellschaftliche Zusammenhänge auch gar nicht ankommt, solange die Schule brave Lohnarbeiter und Staatsbürger hervorbringt.

  2. 2 Administrator 13. Juli 2009 um 16:39 Uhr

    Siehe auch die Diskussion zu diesem Kommentar auf neoprene.blogsport.de:
    http://neoprene.blogsport.de/2009/07/10/kritik-der-sicht-der-sdaj-auf-den-bildungsstreik/

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