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Beiträge aus Anlass unserer Tagung „Marx 2010!“

Karl Marx und seine Theorien sind wieder an den Hochschulen angekommen. Doch im Ringen um einen zukunftsfähigen Marxismus werden noch viele Debatten nötig sein. Unsere Tagung zu den aktuellen Tendenzen der Marxismus-Beschäftigung am 11./12. Juni 2010 leistete dazu einen Beitrag.
Am 19.05.2010 veröffentlichte die Tageszeitung junge Welt aus diesem Anlass ein uni-spezial „Marx an den Hochschulen“. Mit freundlicher Genehmigung der jW stellen wir folgende Beiträge zum Download bereit:

Arnold Schölzel: Krisendialektik
Am Umgang mit Marx hat sich in Bürgerkreisen wenig geändert: Totschweigen oder Entschärfen. Für Interesse an ihm und an Veränderung sorgt der Kapitalismus selbst.

Robert Steigerwald: Bücher lesen reicht nicht
Eine Marxismus-Diskussion sollte mehr sein als ein Wissenschaftlerstreit.

Metscher: Marxismus und Philosophie
Dialektisch-historischer Materialismus zielt auf die produktive Verarbeitung von Erkenntnissen, Wissen und Kunst.

Hans-Peter Brenner: Kein Marx ohne Lenin
Was wäre im 20. Jahrhundert von dem Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus geblieben, wenn nicht die von den Bolschewiki durchgeführte Oktoberrevolution stattgefunden hätte?

Werner Seppmann: Den ganzen Marx lesen
Über die theoretischen Voraussetzungen des »Kapital«-Studiums.

Ulf Brandenburg: Scheitern am Original?
Über objektive und subjektive Schwierigkeiten einer Lektüre des Marxschen »Kapitals«.

Christoph J. Bauer: Das Kapital als ein Ding
Die »neue Marx-Lektüre« auf dem Weg zur »alten Metaphysik«. Eine Kritik vom Standpunkt der Hegelschen Philosophie.

Karl Marx: Krise und Dialektik
In ihrer rationellen Gestalt ist die dialektische Methode dem Bürgertum und seinen doktrinären Wortführern ein Ärgernis und ein Greuel, weil sie kritisch und revolutionär ist.

Die junge Welt im Internet: www.jungewelt.de

Marxismus Marx Engels Tagung Stiftung Assoziation Marxistischer Studierender 2010 Uni Universität Jena

AMS LogoLogo Marx Engels Stiftung

Unter dem Titel „MARX 2010! Aktuelle Tendenzen der Marxismus-Beschäftigung“ findet am Freitag,11. und Samstag, 12. Juni 2010 an der Universität Jena unsere gemeinsame Tagung der AMS und der Marx-Engels-Stiftung statt. Unterstützt werden wir von der Tageszeitung Junge Welt und der SDAJ Thüringen.
Am Mittwoch, 19. Mai, gibt es in der Tageszeitung Logo Tageszeitung junge Welt ein Uni-Spezial zum Thema „Marx an den Hochschulen“, in dem auch die Themen unserer Tagung beleuchtet werden. Diese Beilage ist inklusive der aktuellen Ausgabe für 1,20 Euro an jedem guten Kiosk erhältlich.

Die „Kapital“-Lektüre-Bewegung ist ja nun fast in allen Universitäten angekommen. Auch so manche politische Gruppe außerhalb der akademischen Institutionen liest die sozialistischen Klassiker. Das ist uneingeschränkt positiv zu bewerten. Jedoch verbirgt sich hinter so manchem Anspruch einer „neuen Marx-Lektüre“ auch ein alter und wenig ansehnlicher Hut. Marx wird oft selektiv und mit kontraproduktiven theoretischen Vorentscheidungen gelesen. Nicht selten wird auch der Bezug auf die Marxsche Theorie zum Anlass genommen, den Praxis-Anspruch des Marxismus zu tabuisieren: Marx soll ohne Berücksichtigung der 11. Feuerbachthese rezipiert werden.
Marx lesen, aber wie? Diese Frage wird unsere Tagung unter verschiedenen Gesichtspunkten aufwerfen und versuchen, ein paar Antworten zu formulieren. Die Veranstaltungen werden von „Dr. Seltsam“ aus Berlin, bekannt u.a. von der jährlich stattfindenden Rosa-Luxemburg-Konferenz, moderiert.
Hier nun Referenten, Inhalte und Zeitplan im Überblick:

Eröffnung am Freitag:

Hörsaal 7, am Campus, Carl-Zeiss-Straße 3

18:00 Dr. Robert Steigerwald “Marx kommt wieder nach Jena”

Tagung am Samstag:

Hörsaal 235, Universitäts-Hauptgebäude, Am Fürstengraben 1

11:00 Prof. Thomas Metscher “Der “ganze” oder ein reduzierter Marx?”
12:00 Dr. Hans Peter Brenner “Kein Marx ohne Lenin”
14:00 Erich Hahn “Georg Lukács und die Zukunft des Marxismus”
15:00 Dr. Werner Seppmann “Der lange Schatten des Objektivismus: Althusser & Co”
16:00 Holger Wendt “Logisch? Historisch? Logisch Historisch!”
17:00 Ulf Brandenburg “Marxsche Krisentheorie”

Eintrittsspende: Freitag 2 (ermäßigt 1) Euro, Samstag 5 (ermäßigt 3) Euro

Ihr könnt euch jetzt für die Tagung anmelden. Das gibt uns einen Überblick darüber, mit wem wir rechnen können. Wer Hilfe bei der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten braucht, dem helfen wir selbstverständlich gerne. Ihr könnt über marxisten@gmx.de mit uns Kontakt aufnehmen.

Wir sehen uns im Juni!
AMS Jena

Material zum Herunterladen:
Marx 2010! Flugblatt A6 Vorderseite
Marx 2010! Flugblatt A6 Rückseite
Marx 2010! Plakat A3
Marx 2010! Aufkleber A7
Marx 2010! Banner

Diskussion zum aktuellen Volksbegehren

volksbegehren familienpolitik thüringen vorn
volksbegehren familienpolitik thüringen hinten

Marx 2010

Gemeinsame Tagung von AMS-Hochschulgruppe Jena und Marx-Engels-Stiftung geplant.

In zahlreichen Städten der Bundesrepublik finden derzeit Lesekreise zum Hauptwerk von Karl Marx, „Das Kapital“, statt. Dieses neu entstandene Interesse vor allem der Studierenden an Marx ist uneingeschränkt als positiv zu bewerten.
Jedoch verbirgt sich hinter vielem, was da als Erneuerung der marxistischen Theorie verkauft wird, manch alter Hut. Wertkritik, ein Marx ohne Engels und diverse postmoderne Ansätze stellen den Marxismus auf den Kopf und tragen oft eher zur Verwirrung bei. Dabei ist es doch heute so wichtig wie selten zuvor, von Marx und Co. zu lernen, denn nicht erst die Krise zeigt eindrucksvoll, wie aktuell seine Gedanken (wieder) sind.

Um sich in die laufenden Diskussionen einzubringen und einen Beitrag zur Anwendung marxistischen Denkens in der aktuellen Praxis der sozialen Kämpfe zu leisten, veranstaltet die AMS in Kooperation mit der Marx-Engels-Stiftung Tagung zum Thema „Marx 2010“. Sie wird am 12. Juni 2010 an der Uni Jena stattfinden. Bereits am Abend des 11. Juni wird es eine Auftaktveranstaltung, voraussichtlich mit Robert Steigerwald, geben.

In Kürze gibt es weitere Infos zum Ablauf, zu den Referenten und Themen sowie Werbematerial. Interessierte können sich schon jetzt anmelden. Schreibt einfach an marxisten@gmx.de.

Vorfälle während des Bildungsstreiks in Jena

Dienstag 17.11. 2009. Der Demonstrationszug der Studierenden machte Halt vor dem Universitätshauptgebäude. Dessen Eingänge waren mit Polizisten der thüringer Bereitschaftspolizei verstellt. Etwa zwei Dutzend Studierende stiegen daraufhin durch das dem Haupteingang benachbarte Fenster ein. Ziel war es, die im Gebäude befindlichen Studierenden zum Mitstreiken zu bewegen. Die Polizisten schlossen die Fenster und drängten die im Foyer Streikenden in Richtung Ausgang. Bei dem Gerangel wurden zwei Studierende mit Pfefferspray besprüht. Auch Unbeteiligte wurden von der Polizei erfasst und grob aus dem Gebäude „befördert“. Am Ausgang wurden mehrere Studierende festgehalten und teilweise sogar wieder von Polizisten in das Gebäude gezerrt. Eine Gruppe Schüler, die sich zufällig zwecks Besichtigung der Universität im Gebäude befand, wurde Zeuge des Vorgehens der Polizei gegen die Studierenden.
Soweit ist es schon: dass Studierende pauschal kriminalisiert und aus ihrer Uni gewaltsam ausgeschlossen werden und ihnen der Eintritt sowie Kontakt zu anderen Kommilitonen verwehrt wird. Für die Herrschenden war Spaltung und Vereinzelung schon immer ein beliebtes Mittel, um Bewegungen zu schwächen.
Das Recht zu streiken und seine Meinung zu äußern, wird den Studierenden durch ein solches Vorgehen genommen. Die Forderungen sind unter anderem größere demokratische Teilhabe an der Hochschule. Steht nicht schon die Demokratie der BRD insgesamt in Frage, wenn den Studierenden die Meinungsäußerung in der Universität mit Polizeigewalt untersagt wird?
Auch bleibt die Frage, wie die Polizei zu ihrem Auftrag kam, dieses öffentliche Gebäude ohne Mitbestimmung der Studierendenschaft zu betreten?
Ob der Rektor Klaus Dicke sich des Hausrechts bediente, um die Polizei zu bitten, die Universität vor ihren Studierenden zu schützen, oder ob der Befehl vom thüringischen Kultusministerium kam, bleibt freilich Spekulation. Haben Politiker und Professoren wirklich so viel Angst davor, sich mit den drängenden Fragen der Studierenden zu ihrer eigenen Ausbildung auseinanderzusetzen? Studierende, die sich um eine menschenwürdigere Ausbildung Gedanken machen und auf Missstände im Ausbildungssystem, wie eine Selektion nach Geldvermögen und den Zwang nach sturem Absitzen und Büffeln für blanke Punkte, aufmerksam machen wollen? So werden die Probleme ignoriert, bitternötige Diskussionen verhindert und die Spannung weiter gesteigert. Dieser Bildungsstreik im November wird sicher nicht der letzte gewesen sein!

AMS Jena

Hier noch ein Bericht zu Ereignissen am Abend des 18.11. 2009:
http://freitraum.blogsport.de/2009/11/19/polizeieinsatz-in-der-uni/#more-30

Kolumbien, ein Paradies für Imperialisten – soziale Verelendung inklusive

Drei Gewerkschafter aus Kolumbien sind quer durch Europa unterwegs und informieren über die soziale Lage der Arbeiter in ihrem Land. Das klingt zunächst wie eine gemütliche Rundreise mit ein paar sozialkritischen Referaten. Dass diese Gewerkschaftsvertreter Repressalien, Verleumdungen, Terrorisierungen, Folter und sogar Ermordung zu befürchten haben, sobald sie wieder in Kolumbien sind und praktisch mit diesen Infoveranstaltungen ihr Leben aufs Spiel setzen, wirft ein neues, erschreckendes Licht auf diese Rundreise.
Die Assoziation Marxistischer Studierender (AMS, Hochschulgruppe der Universität Jena), hatte im Rahmen dieser, vom Breiten Bündnis für Kolumbien initiierten, Kampagne eine Veranstaltung organisiert, in der Alberto Vanegas, einer der drei Gewerkschaftsvertreter, über die Lage in Kolumbien aufklärte.
Kolumbien ist neben Peru und Mexiko eines der letzten lateinamerikanischen Länder, deren Regierung noch einen strikt reaktionären Kurs fährt und imperialistischen Ländern Tür und Tor ins eigene Land offen hält. Imperialistische Machenschaften beherrschen die Stadt- und Landbevölkerung und haben unter anderem dazu geführt, dass das Gefälle von Reich zu Arm eins der Größten weltweit ist. Etwa 60% der Bevölkerung leben in Armut, die Auswanderungsrate ist hoch. Die Ursachen für die Verelendung liegen im kapitalistischen System, vornehmlich bei den Umtrieben ausländischer Konzerne und der korrupten Regierung. Seit dem Friedensvertrag, der den Bürgerkrieg 1962 für beendet erklärte, wurden viele Freihandelsabkommen mit einflussreichen Ländern, wie Großbritannien und den USA, abgeschlossen. Freihandelsabkommen erinnern in der Regel Okkupations- und Ausbeutungsverträgen. Sie sprechen den internationalen Konzernen beträchtlichen Großgrundbesitz und jegliche Macht zur selbstbestimmten Vorgehensweise in allen Bereichen zu – Lohnauszahlungen, Arbeiterbetreuung, Sicherheitsbestimmungen und dergleichen. Auch die EU verhandelt derzeit mit Kolumbien und Peru über Freihandelsabkommen, bei dem schon jetzt klar ist, dass die letzten sozialen Errungenschaften dabei auf der Strecke bleiben und Menschenrechtsverletzungen absehbar sind. Die nationale Regierung hat meist keine Handhabe mehr über Konzerne in Freihandelsgebieten. Trotz Wirtschaftswachstum in den letzten Jahren sind die Löhne und Renten seit langem eingefroren, obwohl die Lebenshaltungskosten drastisch gestiegen sind. Auch die aktuelle Weltwirtschaftskrise wird natürlich auf den Schultern der Arbeiter und der verarmten Bevölkerung ausgetragen. Viele Menschen werden in die Schwarzarbeit gezwungen, z.B. Drogenanbau und -handel.
Konkret kann man die Entwicklung einer innenpolitischen Krise seit Beginn des Bürgerkriegs 1948 beobachten. Als die richtunggebenden Parteien einen Friedensvertrag abschlossen, forderte eine Hand voll Bauern mehr Rechte für sich ein. Die USA fühlte sich gefordert, diesen „Aufstand“ niederzuschlagen und die befreundeten „liberalen“ Parteien zu unterstützen. Sie schickte 15000 Soldaten gegen die 40 Bauern nach Kolumbien. Diese Intervention verstärkte jedoch den Widerstand der Bevölkerung, und heutzutage sind über 12000 Menschen in Widerstands- und Guerillabewegungen aktiv. Noch größer ist die Zahl der Menschen, die gewaltlosen Widerstand ausüben und versuchen, durch Demonstrationen, Gewerkschaftsgründungen, außerparlamentarischen Dialoge und politische Opposition die Situation in ihrem Land zu verändern. Doch der Widerstand in Kolumbien ist gefährlich. Bisher wurden rund 15000 politisch kämpfende Menschen ermordet; rund 25000 sind unaufgeklärt verschwunden. Die Gewalt und Repression richtet sich gegen Indigene, Studenten, Bauern und andere Gruppen. Vor allem in Gewerkschaften werden Aktive bedroht, verfolgt, inhaftiert oder verschleppt. Seit 2002, dem Antritt von Álvaro Uribe ins Präsidialamt, ist die Zahl der ermordeten Gewerkschaftsaktivisten auf rund 470 angestiegen. Viele Mordfälle wurden bisher offiziell nicht aufgeklärt.
Die Gewalt geht vor allem von Paramilitärs aus, die von den Konzernen bezahlt, gefördert und kontrolliert werden. Es sind vor allem Öl- und Treibstoffkonzerne, z.B. Perenco, BP, Total, Occidental Petroleum (Oxy), die paramilitärische Gruppierungen finanzieren. Oxy z.B. versorgt seine Paramilitärs großzügig mit Flugzeugen, Kriegsausrüstung und Übungsplätzen. Auch das Militär ist häufig auf dem Gebiet der Fabriken stationiert. Mit der nationalen Polizei arbeiten die Konzernchefs ebenfalls gerne zusammen, um ihre Arbeiter zu kontrollieren.
Die Regierung leugnet alle Probleme. Viele der Abgeordneten haben selbst kein Interesse daran, dass sich etwas im Land ändert, da sie von den Machenschaften der Konzerne profitieren. Es gibt eine starke Korruption, und nicht wenige Regierungsmitglieder sind in den Drogenhandel involviert. Etliche Agenten der Regierung sind in gewalttätige Übergriffe auf Arbeiter und Gewerkschaften verwickelt. Regierungsgeheimdienste hören den Telefonverkehr von Gewerkschaften und anderen Organisationen (z.B. Menschenrechtsorganisationen) ab. Auch die Zusammenarbeit mit nationalem und internationalem Militär funktioniert gut. Der Bau von sieben US-Militärbasen auf kolumbianischem Boden steht fest in Planung.
Dennoch verhallt der Widerstand nicht. Kolumbianische Gewerkschaften erhalten Solidarität von Gewerkschaften aus anderen Ländern und arbeiten mit ihnen zusammen.
Jeden Mittwoch gibt es Demonstrationen von Studenten, Indigenen und Gewerkschaftern, die Widerstand gegen den Imperialismus und die fatalen Bedingungen der arbeitenden Bevölkerung leisten wollen. Sie streiten gewaltfrei für eine friedliche demokratische Regierung. Durch den aktuellen dynamischen Prozess in Lateinamerika ergeben sich in Zukunft möglicherweise Chancen für Kolumbien, endlich mit dem korrupten System abzurechnen.
Weiteres Material mit Informationen über das Breite Bündnis für Kolumbien, über die soziale, wirtschaftliche, politische und militärische Situation in Kolumbien gibt es bei www.secarts.org unter Medien, Texte zum Download.

AMS Jena

Studierendentreffen der AMS brachte Erfahrungsaustausch und interessante Diskussionen

Die Notwendigkeit für Marxistinnen und Marxisten, sich an den Hochschulen klar zu positionieren und aktiv in Diskussionen und Proteste einzubringen, wurde deutlich. Jetzt geht es um die weitere Vernetzung marxistischer Studierender.

Zehntausende Schülerinnen und Schüler, Azubis und Studierende haben beim bundesweiten Bildungsstreik für eine radikale Wende in der Bildungspolitik demonstriert. Das Signal an die Verantwortlichen in Bund und Ländern war deutlich: Es kann nicht angehen, dass Banken und Konzerne Milliardenhilfen vom Staat bekommen und gleichzeitig an der Bildung weiter gespart wird.
Im Zeichen der aktuellen Proteste fand am 20. Juni das Treffen der Assoziation Marxistischer Studierender (AMS) im Rahmen des UZ-Pressefests in Dortmund statt. Eingeladen hatten Aktive aus Thüringen und Brandenburg.
Ein Student stellte anhand eigener Erfahrungen plastisch den neoliberalen Umbau der Hochschulen dar: Verschulung und Überregulierung, das Beschneiden der studentischen Mitbestimmung, weitere Einflussnahme von Wirtschaftsinteressen auf Forschung und Lehre sowie Mangel an Lehrkräften und Räumen bestimmen das Gesicht der meisten Unis und FHs. Der sog. Bologna-Prozess hat schon heute den Hochschul-Alltag nachdrücklich verändert. Darunter haben Studierende und Lehrkräfte gleichermaßen zu leiden. Besonder hart trifft es dabei die wissenschaftlichen Mitarbeiter, die oft für Hungerlöhne Höchstleistungen vollbringen.
Ein Mitglied der AMS-Hochschulgruppe Jena zeigte die Möglichkeiten des Widerstands gegen diese Verhältnisse auf. Durch regelmäßige und interessant gestaltete marxistische Bildungsveranstaltungen sei es möglich, zur weiteren Politisierung der Studierenden beizutragen und Anpassungsdruck sowie Desinteresse der Studierenden entgegen zu wirken. So könne man Diskussionen anregen und dem immer wieder aufflammenden Protest zu mehr Beständigkeit verhelfen. Darüber hinaus sei es möglich, mittels kontinuierlicher Arbeit auch mit bescheidenen Kräften eine beachtliche Wirkung zu erzielen und sich aktiv in die laufenden Auseinandersetzungen einzubringen. Die Orientierung müsse dabei vor allem auf die studentische Interessenvertretung und auf die Gewerkschaften gerichtet werden.
Dr. Werner Fitzner aus Frankfurt/Oder betonte die Wichtigkeit einer klugen Bündnispolitik. Aufgabe der Marxisten sei es, zur Sammlung aller progressiven Kräfte beizutragen, welche die weitere Politik des Bildungsabbaus und Kaputtsparens stoppen wollen.
In der anschließenden Diskussion wurden Erfahrungen ausgetauscht und Kontakte geknüpft. Dabei zeigte sich vor allem, dass trotz teils unterschiedlicher lokaler Besonderheiten die Probleme im Wesentlichen überall ähnlich sind. Deutlich wurde auch, dass wir mehr als bisher an der Vernetzung marxistisch orientierter Studierender arbeiten müssen.
Die AMS versteht sich dabei als Angebot, bisher voneinander isoliert wirkende Aktive und Gruppen zusammen zu bringen. So sollen bereits gemachte Erfahrungen für alle Beteiligten nutzbar gemacht werden. Möglich wären bspw. Referentenlisten zu bestimmten Themen, gemeinsame Positionierungen zu anstehenden Problemen oder das koordinierte Auftreten bei Protestaktionen. Derzeit wird an einer Liste interessierter Gruppen und Einzelpersonen gearbeitet. Ein Mail-Verteiler besteht bereits. Es wurde zudem der Vorschlag gemacht, ein Forum im Internet einzurichten. So kann der Erfahrungsaustausch vertieft und gemeinsam diskutiert werden, wie bei der Vernetzung weiter vorzugehen ist.
Interessierte können sich direkt an die vorläufigen Koordinatoren der AMS wenden, die Mail-Adresse ist marxisten@gmx.de.
www.marxisten.de

StuRa-Wahl 2009: Für Solidarität und freie Bildung!

studierendenrat stura universität Jena
Bis zum 30. Juni sind die Studierenden der Friedrich-Schiller-Universität Jena aufgerufen, den neuen StuRa zu wählen. Dabei besteht die Möglichkeit, per Briefwahl sowie zwei Tage lang am 01. und 02. Juli an der Urne zu wählen.
Die AMS Jena unterstützt inhaltlich und personell die Liste STUR-A-KTIV an der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften.

„Die Liste Stur-A-ktiv setzt sich aus Leuten mit gemeinsamen hochschulpolitischen Vorstellungen zusammen. Bildung ist keine Ware! Wir fordern deswegen völlige Gebührenfreiheit im Bildungsbereich.
Gebühren aller Art sind aber nur eine der Auswirkungen des andauernden Wandels der Hochschulen. Die Uni leidet auch unter notorischer staatlicher Unterfinanzierung, im Gegenzug wird der Campus kommerzialisiert. Dabei sind die Ziele des Bologna-Prozesses: Mobilität, Vergleichbarkeit und „Employability“ nicht erreicht. Im Gegenteil: Bachelor-Studies können kaum ins Ausland, Studienleistungen werden nicht mal bei einem Hochschulwechsel von Leipzig nach Magdeburg problemlos anerkannt, die Studienabbruchquote steigt. Auf Magisterstudierende wird Druck gemacht, ihr Studium möglichst schnell zu beenden oder auf BA zu wechseln. Immer mehr Studies brauchen Hilfe vom Psychologen und aus dem Medizinschrank, um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden. Und das alles, um nach 3 Jahren nicht zum Master zugelassen zu werden. Kein Wunder, dass Kinder aus sogenannten bildungsfernen Familien meist gar kein Studium aufnehmen.
Wir möchten uns für die konkrete Verbesserung eurer Studienbedingungen einsetzen, gegen Verschulung und Dauer-Klausur-Stress. Der Master-Abschluss soll für alle Bachelors offen stehen. Bildung darf nicht von sozialer Herkunft abhängen. Für gute Lehre müssen Lehrende und Hiwis angemessen entlohnt werden. Sexismus, Nationalismus und Rassismus haben an der Uni nichts zu suchen.
Viele Probleme, denen sich Studis jeden Tag gegenübersehen, haben ihre Ursache in undemokratischen, überholten Strukturen der Hochschule. Wir wollen die weitere Demokratisierung der Hochschule, werden aber auch die bereits vorhandenen Möglichkeiten, eure Interessen zu vertreten, ausschöpfen. Für freie Bildung, eine solidarische Hochschule und Spaß im Studium!“ (Selbstdarstellung der Liste STUR-A-KTIV)

Wählt bei den Stura-Wahlen die Kandidatinnen und Kandidaten der Liste STUR-A-KTIV an der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften!

Aufruf zum Bildungsstreik 2009 Thüringen

bildungsstreik bildung streik studenten schüler 2009
Die derzeitigen Zustände und Entwicklungen im Bildungssystem sind nicht weiter hinnehmbar! Weltweit sind Umstrukturierungen aller Lebensbereiche nicht mehr gemeinwohlorientiert, sondern den so genannten Gesetzen des Marktes unterworfen. Seit ein paar Jahren ist auch das Bildungssystem in den Fokus solcher “Reformen” geraten: Bildungsgebühren und die Privatisierung treffen uns alle!

Hier gibt es einen Bericht zum Bildungsstreik in Jena zu sehen:

SYSTEM CRASH

Ein Gespenst geht um in der Welt – das Gespenst der Rezession! Alle Mächte des alten Kapitalismus haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dieses Gespenst verbündet; Merkel und Steinbrück, Obama und Sarkozy, amerikanische Spekulanten und deutsche Bankiers.

Derzeit müssen Schuldige her: die „gierigen“ Banker in den USA sollen es gewesen sein, die armen Leuten Kredite gewährt haben, welche sie nicht zurückzahlen konnten. Die nächsten Opfer sind üblicherweise die Spekulanten; Zocker, die mit sogenannten Leerverkäufen die weltweiten Börsenkurse in den Keller stürzten und nun das „Vertrauen“ des gesamten Kapitalmarkts verspielt haben sollen. Gerade in Deutschland wird es wieder Mode, nach Bankenaufsicht und Kontrolle der Finanzmärkte zu schreien – was immer sich die jeweiligen Schreihälse auch darunter vorstellen.

Das System der „freien Marktwirtschaft“ jedenfalls ist in seinen Grundfesten erschüttert. Täglich liest man die zu Hiobsbotschaften aufgeblasenen Nachrichtenmeldungen über Pleiten oder Verlustmeldungen dieser oder jener – vorzüglich ausländischer – Banken, die sich daraufhin ihre Taschen aus der jeweiligen Staatskasse auffüllen dürfen. Natürlich zum Wohl der Nation und obendrein des braven Steuerzahlers.
Im eigenen Land, wird daraufhin besonders betont, habe man die Lage allerdings im Griff; die Politiker garantieren, dass alles so bleibt, wie es eigentlich schon nicht mehr sein kann; es bestehe jedenfalls keinerlei Grund zu irgendwelcher Panik (oder gar zum Plündern des eigenen Bankkontos!), auch wenn wir alle wohl in Zukunft wieder einmal den Gürtel etwas enger schnallen müssen. Doch was ist eigentlich passiert? Ein paar geplatzte Kredite, ein bisschen Börsenpessimismus, und schon geht alles den Bach runter? So einfach ist die Welt?!

Es ist Zeit, sich über Zusammenhänge und Ursachen dieser Entwicklung Gedanken zu machen. Diese Krise ist längst keine reine Finanzkrise mehr; die Industrieunternehmen beginnen bereits, sich auf Umsatzeinbrüche und weitere Rationalisierungswellen einzustellen. Was das heißt, ist klar: Stagnierende Löhne, zunehmende Arbeitslosigkeit, noch schlimmere Ausbildungsaussichten und Rückgang des Wirtschaftswachstums bis weit in den negativen Bereich. Und das ist nur die kurzfristige Perspektive. Zudem ist die jetzige Krise die größte ihrer Art seit 1929, und die verheerenden Folgen der damaligen „Welt“wirtschaftskrise, die weit über den rein ökonomischen Bereich hinausgingen, sind uns allen noch im Gedächtnis. Aus den Lehren der Geschichte kann man lernen. Aus den periodischen Krisen des Kapitalismus kann man lernen, dass dieses System nicht mehr funktioniert; dass es im Gegenteil immer mehr Menschen systematisch in die Armut und an den Rand der Gesellschaft drängt. Der Kapitalismus ist schon lange keine Antwort mehr, sondern hinterlässt nur viele Fragen…
www.secarts.org

Botschafterin Venezuelas in Jena

Zur unserer jüngsten AMS-Veranstaltung durften wir mit Blancanieve Portocarrero einen besonderen Gast begrüßen. Die Botschafterin der Republik Venezuela stellte sich mit uns der Diskussion um den Bolivarianischen Prozess in dem Land, das für viele Linke in Deutschland eine reale Alternative zum Ausbeutungsregime des Kapitalismus verkörpert.
Einen Bericht dazu von Seiten der Botschaft gibt es HIER ZU LESEN.

Botschaft Venezuela Flagge

Heute schon gestreikt?

Streik

Auch an der Hochschule begegnen uns soziale Ungerechtigkeit und der Konkurrenzdruck der Marktwirtschaft weitet sich in den Studierendenalltag aus. Beispiele dafür sind der stetig voranschreitende Bildungsabbau, die Verschulung des Studiums und die Versuche, Studiengebühren zu erheben. Der berechtigte Widerstand wächst. Davon zeugen nicht zuletzt die immer wieder aufflammenden Proteste der Studierenden. Diese werden allerdings nur erfolgreich sein, wenn sie nicht gesellschaftlich isoliert bleiben.
Am 11. Februar um 11 Uhr organisierten die Gewerkschaften GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) und Ver.di (Vereinte Dienstleistungsgewerktschaft) auf dem Ernst-Abbe-Platz eine Kundgebung. DozentInnen, wissenschaftliche MitarbeiterInnen, technische AssistentInnen, MitarbeiterInnen des Studierendenwerkes und nicht zuletzt studentische Hilfskräfte fordern 8 % mehr Lohn.
Henry Köster (IG-Bau) und Mike Niederstraßer (Aktionsbündnis gegen Studiengebühren) sprachen im Vorfeld der Aktion über die aktuellen politischen Kämpfe, wen sie betreffen und wie erfolgreich sie sein können.

Die Veranstaltung war Teil unserer Reihe zur aktuellen Krise, die wir bereits im vorigen Jahr begonnen haben. Sie wurde organisiert von der AMS-Hochschulgruppe Jena, unterstützt vom SDAJ-Landesverband Thüringen.

Wohin geht die Finanzkrise?

Hier und da bereits zum Unwort 2008 gekürt, ist die Finanzkrise in aller Munde. Doch woher kommt sie und wohin geht sie? Marxisten stellen sich diese Frage vor allem hinsichtlich der Menschen, die davon betroffen sind.
Finanzkrise
Um die Entwicklung und Begleiterscheinungen der aktuellen Krise besser nachvollziehen zu können, wurden in Jena von linken Kräften Veranstaltungen durchgeführt. Zunächst kamen Studenten der Friedrich- Schiller- Universität in den Genuss einer Analyse. Kurz entschlossen hatten die Assoziation Marxistischer Studierender (AMS) und die Rosa Luxemburg Stiftung (RLS) ihre Vorträge zusammengelegt. Als Referent der AMS sprach ein Insider aus der Finanzwirtschaft. Er arbeitet als Kreditanalyst und Risikomanager einer deutschen Investmentbank. Pedram Shahyar war als Mitglied von Attac von der RLS eingeladen worden. Er organisierte unter anderem die Proteste gegen den G8 Gipfel in Deutschland. Tim begann den Abend mit der Klärung einiger Fachbegriffe und der Darstellung der Mechanismen des Bankwesens. Im Vordergrund stand dabei die als Spekulation verschrienen Mechanismen des kapitalistischen Marktes als Weiterentwicklung desselbigen darzustellen. Da jede Kapitalinvestition mit Spekulation verbunden ist, könne man nun nicht auf einzelne Elemente des aktuellen Wirtschaftssystems zeigen und diese kritisieren. Vielmehr sei die gesamte Art der Warenproduktion, die ja bekanntlich auf Profit und nicht auf Bedürfnisbefriedigung aus ist, zu kritisieren. Pedram Shahyar ergänzte diese Erläuterungen durch detaillierte Darstellung der gesellschaftlichen Auswirkungen, wie zum Beispiel den Verlust vieler privater Rentenversicherungen in den USA. Seine Folgerung aus der Situation ist eine andere als die Tims, der eine grundlegende Änderung der Produktionsweise als nötig erachtete. Pedram forderte eine stärkere Regulierung der Märkte, wie einen Finanz- TÜV, Anhebung der Hartz IV- Sätze und ökosozialer Umbau der Industrie. Beide Referenten teilten die Auffassung, dass es nur mit einer Demokratie möglich ist, die heutigen Belange der Menschen zu lösen. Dementsprechend bestärken beide die Beteiligung an außerparlamentarischen Bewegungen, um auch in Deutschland den Grundstein für krisensicheres Wirtschaften zu legen. Wenige Tage später sprach Leo Meyer, stellv. Vorsitzender der DKP und Mitarbeiter des ISW abseits der Uni auf einer Veranstaltung der DKP. Er verdeutlichte in seinen Darlegungen, dass der gigantisch aufgeblähte Finanzmarkt ein Symptom des Kapitalismus ist. Ein Wirtschaftssystem, bei dem die Produzenten nicht die Eigentümer der
geschaffenen Werte sind, bringe nicht nur Finanzkrisen, sondern auch die immer deutlicher hervortretende
Energie-, Lebensmittel- und Demokratiekrise hervor. Die DKP sei angehalten, mit dem Vernetzen außerparlamentarischer Bewegungen und Organisationen Auswege aus diesen Widersprüchen zu suchen.
Christopher

China, Tibet und deutsche Propaganda

Das Medienspektakel rund um den Aufstand der tibetischen Mönche im März diesen Jahres, die Lobhuldigungen seiner Heiligkeit des Dalai Lama und die heißen Diskussionen um einen Boykott der olympischen Spiele 2008 in Peking im Zusammenhang mit angeblichen Menschenrechtsverletzungen in China werden an kaum jemandem vorbei gegangen sein. Mittlerweile weiß jedes Kind, dass nicht alles stimmt, was uns in den Medien erzählt und gezeigt wird. Dennoch werden Medienberichte meistens zu wenig hinterfragt und zu schnell hat man sich im Netz der Meinungsmache und Vernebelung verstrickt.

China-Tibet

Um diesen Nebel zu lichten und klarzustellen, wie die Verhältnisse zwischen China und Tibet wirklich sind, lud die Assoziation Marxistischer Studierender (AMS), eine Hochschulgruppe der Friedrich-Schiller-Universität Jena, am 30.06.2008 Studierende und Interessierte zu Vortrag und Diskussion über „China, Tibet & deutsche Propaganda“ ein, unterstützt durch die örtliche SDAJ. Bei den Referenten handelte es sich um Vertreter des Online-Autorenkollektivs secarts.org. Iwan, gelernter Bänker, der später Anglistik und Slawistik studierte und sich mit Medienanalyse befasst, sprach zu Beginn über die Medienlandschaft Deutschlands. Er stellte klar, dass es immer vom Willen des Informierenden abhängt, womit und in welcher Form er informiert. Dies schuf die Grundlage für den zweiten, umfangreicheren Teil des Vortrages, in dem Secarts, Student der Geschichte und Philosophie, referierte. Secarts, der schon mehrfach China und auch die Region Tibet bereiste, stellte klar, dass Tibet schon seit dem 18. Jahrhundert u.Z. dauerhaft ein Teil Chinas war und es keine Berechtigung für ausländische Staaten gibt, die Unabhängikeit Tibets zu fordern. Die Zuhörer folgten gespannt und überraschend ruhig, wobei es bei einem solch kontroversen Thema Provokateure und Polemiker zu erwarten gab. Dass der Vortrag und die Diskussion vernünftig verlief, ist wohl den fundierten Kenntnissen und der klaren Vortragsweise der Referenten zu verdanken. Viele Zuhörer waren wohl mit der Erwartung gekommen, es würde ihnen eine populistische Verschwörungstheorie aufgetischt, die sie leicht mit ihren Argumenten, die mehrheitlich aus den bürgerlichen Medien stammen dürften, widerlegen könnten. Umso mehr waren viele Zuhörer von den klaren Argumentationssträngen und Beweislagen überrascht und viele Fragen klärten sich nach einigen wenigen Antworten von selbst. Der Inhalt des Vortrages und der Diskussion lässt sich wie folgt zusammenfassen.
Die Medien in Deutschland geben sich sehr pluralistisch und unabhängig, was jedoch im Widerspruch zu dem Fakt steht, dass sich alle öffentlichkeitswirksamen deutschen Medien in privater Hand befinden und als Gewerbe Profitmaximierung anstreben. Das bedeutet, dass sich die Weitergabe von Informationen, die ja primäre Tätigkeit der Medien ist, dem Zwang der Profitmaximieren unterordnen muss, wenn das Medienunternehmen in der Marktwirtschaft Bestand haben will. Das größte dieser Unternehmen ist der Bertelsmannkonzern, dessen Teilhaber ausschließlich deutsche Wirtschaftskonzerne sind. Im Beirat der Bertelsmannstiftung sitzen Vertreter von Nestle, Aventis, Telekom, E-on und vielen mehr. Somit ist die viel gepriesene Pressefreiheit in unserer „schönen BRD-Demokratie“ nichts weiter als eine substanzlose Farce. Welche Informationen und wie sie weitergegeben wird, hängt folgerichtig ganz wesentlich von den Interessen der teilhabenden Konzerne ab. Die Informationen können nach Willen dieser je nachdem entweder vorenthalten, verschleiert, verfälscht oder aufgebauscht werden. Die Berichterstattung bürgerlicher Medien kann demnach berechtigterweise nicht nur auf Meinungsmache, sondern konkret auf Wirtschaftsinteressen herunter gebrochen werden. Da die deutsche Medienlandschaft ausschließlich von deutschen Monopolen beherrscht wird, muss die Berichterstattung über China und Tibet logischerweise deutschen Wirtschaftsinteressen dienen. Das war schon zu Zeiten des Hitler-Faschismus so, als exotische Filme über Expeditionen nach Tibet dem deutschen Volk Mut und Durchhaltevermögen während des Krieges geben sollten. Tatsächlich waren bei diesen Expeditionen neben Schädelvermessern, die die Spuren eines „arisches Brudervolkes“ verfolgen sollten, auch Landvermesser, Geologen und Militäreinheiten dabei. Diese sollten das Land nach Ausbeutungsmöglichkeiten und einem guten Sitzplatz für die Deutschen im Herzen Asiens auskundschaften. Heutzutage bedient man sich anderer Mittel, um Einfluss auf China auszuüben. Der Dalai Lama als Gegenspieler Chinas eignet sich hierfür besonders gut. Der Separatist steht für die Autonomisierung Tibets und der Tibeter, die die zehntgrößte der 56 ethnischen Minderheiten auf chinesischem Boden sind. Mit ihm als Verbündeten kann man als kapitalistische Großmacht wie Deutschland beträchtlichen Druck auf China ausüben. Zum Beispiel, wenn man die olympischen Spiele boykottieren würde. Als Gründe für diesen aktuell diskutierten Schritt werden Menschenrechtsverletzungen in China, vor allem in Bezug zu Tibet genannt. Ein hehres Aufflammen antichinesischer Hetze konnte man seit dem 11. März 2008 beobachten, als in Lhasa, der Hauptstadt der Autonomen Region Tibet, ein bewaffneter Mob buddhistischer Mönche durch die Innenstadt zog; Geschäfte, Wohnhäuser, Schulen, Krankenhäuser und eine Moschee in Brand steckte. Rund zwei Dutzend Menschen, überwiegend Han-Chinesen, wurden dabei getötet. Die chinesische Volksbefreiungsarmee war zu diesem Zeitpunkt nur mit Gummiknüppeln bewaffnet und ging bei weitem nicht so brutal vor, wie es uns die Medien hierzulande glauben machen wollten. Dem aufmerksamen Beobachter entging dabei nicht, dass es sich bei den Fotos und Videos entweder um veraltetes Archivmaterial aus anderen Umständen, oder gänzlich zusammenhangslose Dokumente handelte. Bilder angeblich chinesischer Soldaten, die auf tibetische Mönche einschlugen, zeigten gut erkennbar Soldaten aus Indien oder nepalesische Uniformen. Eine ganze Reihe von solchem Material wurde unter falschen Gesichtspunkten veröffentlicht; ein Beispiel von bewusster Informationsfälschung. Am 11. März, dem Jahrestag der Flucht des Dalai Lama ins indische Exil, rief er dazu auf, an seine Flucht zu erinnern, gegen die chinesische „Fremdherrschaft“ und für die Lostrennung Tibets von China zu protestieren. Fakt ist, dass die Region Tibet schon seit dem 18. Jahrhundert u.Z. durchgängig zu China gehört. In Tibet herrschte bis ins vorige Jahrhundert hinein eine Feudalmonarchie, in der Mönchstheokraten, allen voran die Gelbmützen-Sekte mit dem Dalai Lama als Oberhaupt, die herrschende Klasse stellte. Arbeiter und Bauern hatten sehr wenige Rechte, Sklaven und Frauen gar keine. Folterungen und Erniedrigungen waren gang und gäbe. Wie US-amerikanische Journalisten in den 30er Jahren aus Reiseberichten wiedergaben, zählte das Abtrennen von Gliedmaßen zu einer gängigen Form der Bestrafung bei kleinen Vergehen oder schon bei Verdächtigungen. 1950/51 wurden diese mittelalterlichen Zustände durch den Einmarsch der chinesischen Volksbefreiungsarmee beendet. Ein 17-Punkte-Abkommen zur schrittweisen Verbesserung der Lebensumstände in Tibet wurde aufgesetzt. Viele demokratische Reformen wie die Landreform wurden durchgesetzt; fortschrittliche Produktionsmethoden erleichterten den Alltag; Schulen und medizinische Einrichtungen wurden erstmals errichtet. Dabei blieben dem Klerus die Klöster, die Landgüter des Adels unangetastet. Der jetzige Dalai Lama leistete in der Provinzregierung der neuen autonomen Region Tibet dabei sogar gute Zusammenarbeit mit der Zentralregierung Chinas, bis er nach Aufständen reaktionärer Kräfte, die ihm zu der Behauptung veranlassten, dass Chinesen ihn kidnappen wollten, 1959 nach Indien floh. Der Aufbau Tibets wurde seitdem vorangetrieben. Entgegen der vorherrschenden Behauptung ist Tibet eine autonome Region Chinas, in der 90% der Bevölkerung immer noch Tibeter sind. Daher sind Forderungen nach Autonomie und der Hinweis auf Überfremdung unzulässig. In seinem „5-Punkte-Friedensplan“ (nachzulesen auf seiner Webseite) fordert der Dalai Lama unter anderem eine Ausweisung aller Nicht-Tibeter aus Tibet, also mit anderen Worten: ethnische Säuberung. Außerdem fordert er eine Abspaltung von allen Teilen Chinas, in denen Tibeter leben; dabei handelt es sich um ein Viertel der gesamten Landesfläche Chinas.
Wer sich diese und weitere Fakten, die Secarts in 4 Jahren intensiver Recherche erarbeitet hat, noch einmal genauer zu Gemüte führen will, sei auf www.secarts.org verwiesen. Außerdem erscheint ein ausführlicher Artikel über dieses Thema im nächsten Themenheft der Kommunistischen Arbeiterzeitung (KAZ; www.kaz-online.de).

AMS Jena

Wettbewerbssieg: Abwicklung von kritischen Wissenschaftlern in Jena

Der Sieg im Wettbewerb „Stadt der Wissenschaft 2008“ und das 450 jährige Jubiläum der Universität gibt vielen Vertretern von Stadt und Uni Grund zum Jubel. Zurecht?
Die AMS (Assoziation Marxistischer Studierender) in Jena beteiligte sich an dieser Aufarbeitung mit einem Vortrag zur Abwicklung von DDR-Wissenschaftlern im Verlauf der „Wende“. Am 22. April sprach Prof. Weißbecker über seine Tätigkeiten an der Uni und seine persönlichen Eindrücke 1990 ff.

Weiße Weste

Neben der feierlichen Würdigung dürfen die dunklen Kapitel der Uni-Geschichte nicht unbeachtet bleiben.
Die Abwicklung verdienter und angesehener Wissenschaftler in den Jahren 1990f. zählt zu den unrühmlichen Höhepunkten der jüngeren Geschichte der Universität. Trotz qualitativ hochwertiger Forschung, die auch außerhalb der Grenzen der Warschauer Vertrag Staaten Würdigung erhielt, musste nach dem Beitritt der DDR zur BRD ein Großteil der Wissenschaftler ihre Lehre aufgeben oder wurde einer fragwürdigen Gesinnungsprüfung unterzogen. Die Freiheit der Wissenschaft fiel dem politisch-ideologischen Kalkül zum Opfer.

Die anfängliche Auffassung, doch irgendwie weiter arbeiten zu können, wurde spätestens dann zunichte gemacht, als ganze Institute dem Erdboden gleichgemacht worden. Die Enttäuschung über die letzten DDRRegierungen und die Ratlosigkeit angesichts des Untergangs der DDR prägten die Stimmung.
Neue Arbeitsverträge in den Gesellschaftswissenschaften kaum länger als ein halbes Jahr sorgten schon bald für neue Stellenausschreibungen, die praktisch die Belegschaft ersetzten. Der Versuch sich mit Hilfe von Gerichtsverfahren zu wehren, endete meist mit Niederlagen oder Vergleichen.

Manfred Weißbecker (Jahrgang 1935) studierte Geschichte, Germanistik und Pädagogik und arbeitete nach Abschluss seines Studiums als Mitarbeiter am Historischen Institut in Jena. Es folgte die Berufung zum Professor für Geschichte an der Friedrich Schiller Universität. Ein Forschungsschwerpunkt war die Aufarbeitung der Geschichte der NSDAP. Nach der Wende wurde Weißbecker 1992 im Rahmen der Abwicklung der DDR-Forschungslandschaft in die Arbeitslosigkeit entlassen.

AMS/Marxistische Hochschulgruppe Jena




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